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22.06.2013

„Die Ökumene in Weiden begann mit Fischer“

Herr Crohn, die Ökumene besitzt in Weiden hohen Stellenwert. Da steckt sehr viel Zeit und Herzblut in der Zusammenarbeit. Der Abschied von Pfr. Fischer ist jetzt Anlass einen Rückblick zu wagen, auch in Hinblick auf die weitere ökumenische Entwicklung in den Pfarreien. Sie haben zu dem Thema bereits ein Buch veröffentlicht, planen ein weiteres. Sie sind jedoch nicht nur Chronist, sondern auch Zeitzeuge. Ihre Frau, Pfr.in und stellv. Superintendentin Monika Crohn, war neben Pfr. Fischer ProtagonistIn im Aufbau der Ökumene.

Ja, da ist Großes geleistet worden, das war überwältigend! Das war weit mehr als die übliche Zusammenarbeit und hatte Strahlkraft über die Pfarrei hinaus. Dabei hat alles klein angefangen. Wir haben gemeinsame Aktionen gemacht. Der Höhepunkt war dann der Partnerschaftsvertrag von 2006.

Lassen Sie uns erst einmal bei der Entwicklung bleiben. Sie sind Historiker, bis 1945 gab es im katholischen Köln nur vereinzelt evangelische Familien. Wann begann die Ökumene?

Für Weiden war 1982, als Pfr. Rainer Fischer nach Köln kam, ein goldenes Datum. Das lag jedoch an beiden Seiten. Ökumene wird von Personen getragen. Pfr. Fischer war insofern ein Glück für die Entwicklung, da er von Jugend auf mit Protestanten in Berührung kam: Er hatte evangelische Schulkameraden. In Bonn an der Universität lag die evangelische Fakultät auf dem gleichen Flur. So wird man Ökumeniker. Pfr. Sommer, sein Vorgänger, hatte einen Schwerpunkt in seiner baulichen Tätigkeit. Auch von evangelischer Seite waren mit Pfr. Volker von Eckardstein und Regina Kulpe Ansprechpartner da. Auf der anderen Seite darf man nicht vernachlässigen, dass gerade die ev. Singschule in Weiden seit 1961 beide Konfessionen zusammenbrachte und zur Hälfte katholische Mitglieder hatte. Da sind ökumenische Freundschaften und Ehen daraus hervorgegangen! 1982 ging es dann schlagartig los mit einer offiziellen Ökumene.

Einen neuen Schub in die Ökumene brachte die deutsche Einigung und die gemeinsame Betreuung der Übersiedler. In diesem Zuge kam auch meine Frau nach Köln. Sie wurde eingesetzt für ein Projekt zur Betreuung der Übersiedler nach der deutschen Einheit. Durch dieses Projekt kam sie fast jeden Tag in Kontakt mit Pfr. Fischer, der ebenfalls im Aussiedlerheim sehr engagiert war. Es entstanden jedoch nicht nur auf der Ebene der Pfarrer Kontakte, sondern auch auf ehrenamtlicher Seite: Familie Himmels, Frau Schatka, Roselotte Schulze - um nur einige zu nennen. Das können Sie im Einzelnen auch in meinem Buch zu dem Thema nachlesen (s. Aufbruch im Westen von Köln. 100 Jahre ev. Gottesdienst. (Hg.) Peter Crohn u.a., Verein für Geschichte und Heimatkunde, 2007: S. 63ff.). Es wurden Feste gemeinsam organisiert – immer ökumenisch. Es gab die Hausaufgabenbetreuung. Das war alles sehr zeitintensiv. Bahnbrechend war dann für alle die Erkenntnis, wie gut wir zusammenarbeiten können.

Als meine Frau 1993 Pfarrerin in Weiden wurde, gab es regelmäßig ökumenische Treffen. Alle Projekte wurden gemeinsam durchgesprochen, das führte auch zur Kostenersparnis in vielen Bereichen. Ab 1994 hatten wir ökumenische Schulgottesdienste. Meine Frau und Pfr. Fischer haben bestimmt über 100 ökumenische Ehen zusammen getraut. Die Exerzitien im Alltag werden gemeinsam durchgeführt. Ein jährliches Highlight ist die Karwoche. An Palmsonntag haben wir gegenseitig Grüße überbracht, die Fußwaschung wurde parallel durchgeführt in der jeweiligen Kirche. In diesem Bereich kommen wir jedoch an die Grenze der Ökumene, denn leider ist ein gemeinsames Abendmahl (noch) nicht möglich. Da gibt es sicherlich Sehnsucht nach mehr.

Herr Crohn, welche Veränderung brachte dann der Partnerschaftsvertrag. Das klingt alles schon nach sehr intensiver Zusammenarbeit?

Im Partnerschaftsvertrag von 2006 wurde der Ertrag der ökumenischen Arbeit juristisch festgehalten. Das hatte eine ganz neue Qualität, denn der Vertrag wurde von Juristen beider Seiten genau geprüft und abgewogen. Er wurde mit einem sehr feierlichen Gottesdienst in der Hl. Geist Kirche in Kraft gesetzt. Eine evangelische Organistin spielte in der katholischen Kirche.

Herr Crohn, Pfr. Fischer ist auch Vorsitzender der ACK, der christlichen Kirchen von Köln. Spielt die ACK für die Ökumene in Weiden eine Rolle?

Wir sind immer bei Veranstaltungen der ACK eingeladen. Dort gibt es andere Schwerpunkte der Zusammenarbeit, wie z.B. mit der äthiopischen oder portugiesischen Kirche. Die Ökumene von Weiden ist kein Projekt der ACK.

Ein Symbol für die Ökumene ist mittlerweile das Ökumenekreuz. Welche Bedeutung hat dieses Kreuz?

Das Ökumenekreuz kam ursprünglich aus Aachen und wird bei den Brückenwegen in Köln genutzt und zwar seit den 90´er Jahren. Seinen Heimatstandort hat es in Weiden gefunden und steht abwechselnd in der Heilig Geist Kirche und in der Weidener Evangelischen Kirche.

Herr Crohn, ein Wort zum Abschluss?

Die evangelische Kirche wünscht sich einen zweiten Rainer Fischer!! In jedem Fall wünschen wir uns, dass die Ökumene in Zukunft fortgeführt wird.


Das Interview führte Bettina Vogel-Walter.
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