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11.03.2013

Wer hat Sie schon auf´s Kreuz gelegt?

Erwin Würth
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Herr Würth, in der Heilig-Geist-Kirche in Köln Weiden ist während der Fastenzeit eine Ausstellung Ihres Kreuzweges. Er ist aus hölzernem Strandgut, ein moderner Kreuzweg. Welche Stellung hat für Sie der Kreuzweg in unserem Leben heute? – Sie haben eine Neuinterpretation gewagt, die hier bei uns ganz offensichtlich gut ankommt.

Die Neuinterpretation entstand aus den Erfahrungen mit einem klassischen Kreuzweg, den ich 1997 gemacht habe und der nach drei Jahren Wanderausstellung in Wangerland an der Nordsee steht. Diese Form des Kreuzweges entstand im 16. Jahrhundert. Unsere Sprache und Bilderwelten haben sich inzwischen sehr verändert. Wir sagen heute nicht mehr, ich wasche meine Hände in Unschuld. Ich habe versucht für die Stationen moderne Redewendungen zu finden, mit denen wir uns heute identifizieren können.


Sie formen die Bilder, Ihre Frau die Texte. Wie kann man sich die Zusammenarbeit vorstellen? Ist Ihre Frau die erste Interpretin, lassen Sie ihr freie Hand?

Die Idee moderne Sprichwörter zu finden stammt von mir. Ich habe die Sprichwörter dann mit meiner Frau diskutiert. Die sprachliche Übertragung stammt von ihr. Meine Frau hat die Gabe ansprechende Texte zu machen.

Ihr Lieblingsbild im Kreuzweg?

Das ist die Schublade, als Bild von der Verurteilung. Hier sieht man deutlich den Sprung in eine moderne Bilderwelt. Aber auch das Bild „Kleider machen Leute“ ist mir wichtig. Die Leute legen heute sehr viel Wert auf Kleidung. Die Bilder lassen unterschiedliche Interpretationen zu. Die Bilder sollen zu der Frage anstoßen, was ist Ihr Blickwinkel.

Sie haben eine ungewöhnliche Biographie. Im Urlaub haben Sie am Strand altes Holz gefunden und Kunstwerke daraus gemacht. Von der Ausbildung sind Sie Sonderpädagoge und Schreiner. Woher kam der Impuls über Kunst eine Botschaft zu vermitteln? Was war die Initialzündung?

Jeder hat eine Gabe. Wir haben den biblischen Auftrag unsere Talente zu entdecken und wir sollen sie nicht für uns behalten, sondern von den Dächern verkünden. Ich habe die Gabe, in Holz etwas zu sehen.

Sie haben eine Botschaft, wir haben es schon angesprochen – was ist Ihre Botschaft? Was ist Ihr Anliegen, was wollen Sie vermitteln? Sehr häufig taucht bei Ihnen der Begriff Abfall und Nachhaltigkeit auf.

Mein Motto ist neues Leben zu erwecken, in Gott zu neuem Leben finden. Ich bearbeite nicht nur angeschwemmtes Holz, sondern auch Krebsgeschwüre von Bäumen. Nicht alles ist unnütz. Gott schaut mit Liebe auf uns Menschen. Wenn ich an das Material herangehe, frage ich mich, was steckt drin. Da ist ein Stück Holz, das wurde von einem Menschen abgeschnitten, von der Schöpfung bearbeitet. Ich darf Schöpfer sein für vergängliches Material.

Ein Künstler drückt sich und seine Zeit aus. Die katholische Kirche bewahrt stärker die Tradition. Welche Bedeutung hat für Sie die Religion, welche Bedeutung hat die Kirche?

Ich unterscheide nicht zwischen katholischer, evangelischer Kirche oder Freikirche. Wir haben alle einen Gott. Kunst kann die christliche Botschaft in die Gesellschaft bringen. Gott ist die Kirche. Ich lese nicht den Katechismus. Mich fasziniert Jesus. Ich orientiere mich an ihm. Er hat nicht im Tempel gepredigt und wir müssen auch mit offenen Augen durch die Welt und die Natur gehen. Wenn wir uns als Menschen wertschätzen, beklauen wir uns nicht und bekriegen uns nicht. Ich fühle mich geliebt und kann etwas aus meinen Talenten machen. Religion und Kirche, das bedeutet für mich Gemeinschaft. Ohne gemeinschaftliches Leben ist beides undenkbar. In Gemeinschaft können wir Gott ganz konkret unter uns erfahren und so kann unser Leben, kann Kirche ausstrahlen und anziehend werden.

Das Interview entstand am 10.3. an einem Sonntagabend am Telefon. Ich bedankte mich für das Gespräch und wurde mit einem herzlichen „Gott segne Sie“ verabschiedet.
Das Gespräch führte Bettina Vogel-Walter, der Bildbeitrag stammt von Lore Henning.

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