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09.10.2012

Interview mit Pfr.in Liane Scholz

Frau Pfr.in Scholz, die ev. Kirche feiert am 31.10. den Reformationstag, den Tag des Thesenanschlags. Viele haben heute den Eindruck, die Ökumene stagniert. In Widdersdorf wird der Buß und Bettag (21.11.12) ökumenisch gefeiert. Wie ist die Idee entstanden?

Die Idee hatte zwei Wurzeln:
Zum Einen ist der Buß-und Bettag als gesetzlicher Feiertag seit 1996 der Finanzierung der Pflegeversicherung zum Opfer gefallen. Viel zu spät ist auch in unserer Gemeinde ein Bewusstsein für den Wert dieses Feiertages und den erlittenen Verlust entstanden. In der Folge entwickelte sich jedoch schon sehr bald das Bedürfnis, diesen Tag in Erinnerung zu halten und an diesem Tag einen Gottesdienst zu feiern.
Zum Anderen hatten wir in unseren ökumenischen Gesprächen in Widdersdorf schon in den 1990-er Jahren nach einer weiteren regelmäßigen Gelegenheit gesucht, einen ökumenischen Gottesdienst zu feiern.
Bei einer unserer regelmäßigen gemeinsamen Sitzungen von Pfarrgemeinderat und Presbyterium im Jahr 2000 fiel es uns dann wie Schuppen von den Augen: der Buß- und Bettag bot sich da idealerweise mit einem Abendgottesdienst an. Und schon im folgenden Jahr wurde die Idee umgesetzt. Seit dem Jahr 2001 feiern wir ununterbrochen einen ökumenischen Gottesdienst in Widdersdorf – jeweils abwechselnd in der katholischen oder in der evangelischen Kirche.


Die katholische Kirche feiert am 1.November Allerheiligen. Martin Luther hat den Heiligenkult abgeschafft. Vielen Katholiken ist der Heiligenkult fremd geworden. Gibt es in der ev. Kirche keine Heiligen?

Oh doch, die evangelische Kirche ist sogar voll von Heiligen. Da halten wir es doch ganz mit einem Vers aus dem Kolosserbrief (Kapitel 3 Vers 12), in dem jeder Christ als von Gott Auserwählter und dadurch Heiliger angesprochen wird. Im Neuen Testament werden ja wirklich die ganz normalen Menschen in der Gemeinde als heilig bezeichnet. Und in diesem Sinne hat auch Martin Luther die Aussagen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses von der ‚Gemeinschaft der Heiligen‘ gedeutet. Bei den Heiligen handelt es sich um die Gemeinschaft aller getauften Menschen.
Luthers Kritik richtete sich gegen die Heiligenverehrung, die im Mittelalter ihren Höhepunkt erreichte, und manchmal kaum noch von der Vielgötterei zu unterscheiden war. Da wurden die Heiligen dann geradezu angebetet. Dem gegenüber stellt Luther einen Vers aus dem 1. Timotheusbrief (Kapitel 2 Vers 5), in dem es heißt, dass es nur einen einzigen Vermittler oder Fürbitter zwischen Gott und dem Menschen gibt, Jesus Christus.



Der aktuelle Newsletter beschäftigt sich mit Meinungen, die über den Tod hinausgehen. Jetzt ist Heiligenkult keine Geisterbeschwörung. Die katholische Kirche geht auf Distanz zu jeder Form von spiritistischen Sitzungen. Was sagt die evangelische Kirche?

Die Stimmen aus der evangelischen Kirchen klingen kritisch und auch warnend, weil bei einer längerfristigen Okkultpraxis auch die Gefahr der Abhängigkeit und des Wirklichkeitsverlustes bestehen kann.
Aber offenbar füllt der Spiritismus eine Lücke und erfüllt eines der Sicherheitsbedürfnisse vieler Menschen. Er erbringt durch Jenseitskontakte den „Beweis“, dass es auch nach dem Tod eine Zukunft gibt.
Beweisen können wir dagegen die christliche Auferstehungshoffnung nicht. Unser Glaube speist sich – wie in einer Liebesbeziehung – nicht aus Beweisen sondern aus Vertrauen.

Frau Scholz, vielen Dank für das Interview.
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